Pianoforte

Piano World - Pianoforte

Musik war schon immer ein wichtiger Bestandteil im Leben der Menschen. Diese Aussage wird bekräftigt durch archäologische Beweise, die zeigen, dass das „Musikmachen“ mit Musikinstrumenten bereits 50.000 Jahre vor unserer Geburt Bestandteil im Leben der Menschen auf diesem Planeten war! Die ersten Hinweise auf ein Saiteninstrument (Stabzither) gehen auf die Altsteinzeit zurück, und diese Stabzither bestand lediglich aus einem hohlen Schilfrohr mit  einem Faden, der an den Kanten festgebunden war. Unter bestimmten Bedingungen (Intensität, Durchmesser usw.) konnte dieses Instrument einen Klang erzeugen!

Die Stabzither war im Wesentlichen der Vorgänger aller Saiteninstrumente einschließlich des Klaviers. Eine überaus große Rolle in diesem Prozess spielten die Bürger des antiken Griechenlands, und sogar noch heute werden die von Pythagoras aufgestellten Theorien befolgt. Die wichtigste Besonderheit der Klavierfamilie – die Klaviertasten – wurde erst viel später, nämlich etwa im 14. Jahrhundert, erfunden. Das erste Klaviaturinstrument war das Clavichord; ein Instrument mit einem sehr dünnen, schwachen Klang, so dass sein Einsatz auf kleinere Räume begrenzt war. Einige Jahrhunderte später wurde das nächste Instrument dieser Art erfunden: das Cembalo. Das älteste erhalten gebliebene Instrument seiner Art wird im Victoria & Albert Museum in London ausgestellt und wurde 1521 gefertigt. Zwar stellte es eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Clavichord dar, jedoch wies das Cembalo noch immer gewisse Schwächen auf. Die vielleicht auffälligste davon bestand darin, dass der Spieler seine Musik nicht „färben“ konnte.

Diese Schwächen sollten mit dem Klavier endgültig überwunden werden! Das erste Klavier wurde 1709 von dem italienischen Musikinstrumentenbauer Bartolomeo Cristofori (1655-1731) aus Florenz gefertigt. Cristofori experimentierte ab 1690 mit dem Austausch der Kiele des Cembolos durch Hämmer, und die Tatsache, dass das erste Exemplar erst fast 20 Jahre später vollendet war, kann nur bedeuten, dass die Idee einige Verarbeitungs- und Entwicklungsschritte durchlief. Cristofori erschuf ein Instrument mit einem klar verbesserten Mechanismus; das wichtigste Element davon war die Verwendung von Hämmern für die Erzeugung des Klangs, dadurch nämlich war der Musiker in der Lage, das Stück zu „färben“, da er nun anhand der Kraft, die er auf die Taste ausübte, die Lautstärke des Klangs bestimmen konnte! Cristofori benannte seine Erfindung „Gravicembalo col Piano e Forte“, was schlicht bedeutet: Harpsichord mit leise und laut! Aufgrund seiner neuen Eigenschaften wurde Cristoforis Erfindung sofort „Pianoforte“ genannt, bis sich der erste Teil des Wortes durchsetzte. Und damit wurde dieses Instrument einfach bekannt als... Piano!

Vor 1720 verbesserte Cristofori das Instrument ganz wesentlich mit seiner vielleicht bedeutendsten Verbesserung, nämlich der Erweiterung um Pedale. Bis zu seinem Tod im Jahre 1731 baute Cristofori 20 Pianos, aber nur drei von ihnen sind erhalten geblieben. Diese werden in Museen in New York, Leipzig und Rom ausgestellt. Seine Erfindung wurde gut angenommen, und viele Instrumentenbauer übernahmen seine Ideen und kämpften dafür, den neuen Mechanismus weiterzuentwickeln. Komponisten schrieben Musik und nutzten dabei die unbegrenzten Möglichkeiten des neuen Instruments. Die ersten speziell für das Piano geschriebenen Werke wurden 1732 veröffentlicht. Es handelte sich um 12 Sonaten, die von dem 47-jährigen Italiener Lodovigo Giustini unter dem Namen „Sonati di cembalo di piano e forte“ geschrieben wurden. Sie wurden 1736 von einem großen Verlag in den Niederlanden neu herausgegeben. Von den Originalen aus dem Jahr 1732 sind nur drei erhalten geblieben.

Das 19. Jahrhundert war für die Evolution des Pianos besonders wichtig. Die Bandbreite des Instruments wurde erhöht (Broadwood); die Zeit, die der Hammer benötigte, um in seine ursprüngliche Position zurückzukehren, wurde verkürzt (Erard); das Material, das die Hämmer bedeckt, wurde verbessert (Henri Pape); das Klavier wurde erschaffen, und der Eisenrahmen zum Halten der Saiten wurde erfunden, was den Saitendruck auf bis zu 30 Töne erhöhte und den Klang des Instruments noch weiter verbesserte (John Isaac Hawkins).

Obwohl Cristofori bereits ein exzellentes Instrument entwickelt hatte, das sich im Laufe der Zeit etwas veränderte (zumindest was das Konzept für Form und Saitenlagen betraf), hat das moderne Klavier nicht mehr viel mit der zierlichen Struktur des italienischen Herstellers gemein. Das unbegrenzte Klangpotenzial des modernen Klaviers, seine Power und gleichzeitig seine Sensibilität, seine große Bandbreite von über sieben Oktaven, die kein anderes Instrument erreicht, machen es zum wichtigsten aller von Menschenhand gebauten Musikinstrumente!